lichtinstallation

2012
Freiraum.

„Der Mensch ist frei wie ein Vogel im Käfig. Er kann sich innerhalb gewisser Grenzen bewegen.“ - Johann Kaspar Lavater
Wie frei bin ich wirklich? Wo liegt die Grenze der Freiheit? Inwieweit baut sich der Mensch innerhalb seines Lebens ein eigenes konstruiertes Gefängnis?
Die Installation „Freiraum“ von Clara Frühwirth greift diese Fragen auf und lädt die Rezipientinnen zu einem Prozess der Selbstreflexion ein. Wie viel ist der Mensch bereit, als Individuum im Alltag von sich Preis zu geben und welche Emotionen und Wesenszüge bleiben im Inneren verborgen - im Käfig gehalten?
Der „Raum in Raum“ als zentraler Ausgangspunkt der Lichtinstallation dynamisiert den Dialog, der zwischen Objekt und Architektur vermittelt. Während die natürlichen Lichtquellen – die vergitterten Fenster sowie die nur durch ein Vogelgitter von der Außenwelt getrennte Öffnung an der Decke des Raumes – ein Verweis auf das Äußere impliziert, suggerieren sie zugleich den Eindruck eines begrenzten Raumes - offen und abgegrenzt zugleich. Während man als Mensch üblicherweise die Freiheit hat, einen Raum mehr oder minder freiwillig zu betreten und wieder zu verlassen, verweisen die geöffneten Türen der Vogelkäfige auf die spannungsgeladene Ambivalenz von „frei“ und „gefangen“.
Der künstliche Käfig mit scheinbar geöffneten Türen in einer halbgeschlossenen Raumsituation konfrontiert das Individuum mit der Frage nach der imaginären Freiheit.
Die Auseinandersetzung zwischen Außen und Innen wird nicht nur durch die natürlichen Lichtquellen im Kontrast zu den künstlichen Neonröhren symbolisiert, sondern auch durch die Geräuschkulisse, einer Mischung aus Vogelgezwitscher und Besucherlärm. Luft, die durch die offene Decke die Käfige leicht bewegt, verdeutlicht zudem die Dynamik, die aufgrund der architektonischen Situation zwischen Freiheit und Gefangensein entsteht. So auch die Leuchtmittel, mit denen das Innere der Käfige bespielt wird. Sie leuchten grün und sind symbolische Vertreter der Aussage „Grünes Licht geben“, der Aufforderung, etwas beziehungsweise sich zu bewegen. Die Scheinwerfer an den Wänden erzeugen einen filigranen Schattenwurf, der die Komplexität von Freiheit verdeutlicht.
Der Blick von außen ist der Blick von Innen – ein immerwährendes Szenario, das Perpetuum mobile unserer Gesellschaft.
Text: Anna Kohlhauser

Anlässlich der Jubiläumsausstellung Kunstraum: („Utopie“ und) Realität
Eröffnung: Freitag, 1. Juni 2012, 19.00 Uhr - 6. Oktober 2012
Ort: Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität, 8010 Graz, Universitätsplatz 3, KG
Lichttechnik: Alain Mimba
Fotodokumentation: Johanna Bonsels