fremdkörper?

2012
„Puppen sind leblose Körper, die erst durch Gestaltung zum Leben erwachen.“ Das Projekt „FREMDKÖRPER?“ zeigt auf, inwieweit der Einfluss von außen identitätsstiftend für das Ich, das eigene Leben wirkt. Die Puppen werden hierbei als Metapher für die Macht der Gesellschaft verstanden, durch die man sich anhand von Selbstinszenierung - die bereits bei der Wahl der Kleidung oder der Frisur beginnt - die Wünsche, Ideale und Ansprüche der Allgemeinheit aneignet, sei es in angepasster oder ablehnender Form.
Dass sich der Identitätskonflikt dann zuspitzt, wenn man als Fremde/Fremder in ein neues Land kommt, ist verständlich. Die Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die in die Steiermark kommen, nimmt weiterhin zu. Was passiert mit der eigenen Identität, wenn man mit neuen kulturellen Vorstellungen konfrontiert wird? Welche Träume, Ideale und Hoffnungen werden dabei erfüllt, welche bleiben unerfüllt? Will man nach außen hin ein Individuum, oder gar offensichtlich fremd sein? Gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim der Diakonie in Deutschfeistritz werden drei Schaufensterpuppen gestaltet, die die emotionale Spannung veranschaulichen. Die Arbeit findet im Rahmen des Kollegs für Sozialpädagogik in Graz statt.
Es entstehen drei Figuren, die dem Begriff „kulturelle Vielfalt“ Gestalt geben. Die Jugendlichen verleihen den Puppen ein „neues Gewand“ - ein Hinweis auf die neue Identität, den Beginn eines neuen Abschnitts - ein Sujet, mit dem nicht nur Flüchtlinge, sondern Jugendliche im Allgemeinen konfrontiert werden. Allen TeilnehmerInnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ihre Träume, Ideale, Wünsche oder Vorstellungen von innen nach außen zu kehren. Dass hier Fantasie und Realität ineinander fließen, ist die logische Konsequenz des jugendlichen Identitätskonflikts.
Die Puppen sind schließlich das Herzstück einer Zugreise von Deutschfeistritz nach Graz. Am Ziel diese Reise, dem Grazer Hauptbahnhof, mischen sich die UrheberInnen mit ihren Kunstwerken unter die Menge. Dabei begegnen die vermeintlich „bunten Fremdkörper“ endlich dem Trubel des Alltags und fungieren dabei nicht wie vielleicht angenommen als Störung des gegebenen Bildes. Vielmehr erregen die Puppen Aufmerksamkeit im positiven Sinne, indem sie den Menschen in seiner Vielfalt repräsentieren und zur Identität des öffentlichen Raums beitragen.
„Ein jeder trägt eine produktive Einzigkeit in sich, als den Kern seines Wesens; und wenn er sich dieser Einzigkeit bewußt wird, erscheint um ihn ein fremdartiger Glanz, der des Ungewöhnlichen.“ - Friedrich Nietzsche

Text: Anna Kohlhauser
Arbeitsprozess/Deutschfeistritz: Mimba Alain
Fotodokumentation: Johanna Bonsels